Sonntag, 1. Februar 2015

Monatsbrief Januar



Monatsbrief von Ende Dezember und Januar

Hallo ihr lieben alle!

Heute komme ich einmal wieder dazu ein bisschen über die vergangenen Wochen zu berichten. Ich hoffe ihr hattet schöne Fest- und Feiertage und seid gut ins neue Jahr 2015 gekommen! Wenn ich schon dabei, erzähle ich gleich ein bisschen von unseren Festen hier. Über Weihnachten war auch Jule bei uns, um die Tage nicht allein in Tanguiéta verbringen zu müssen.
Für Weihnachten wurde ja in der Kirche von jeder Person einen kleinen Beitrag eingesammelt, sodass das Kirchenweihnachtsfest finanziert werden kann. Das heißt an Heilig Abend wird während der „Veille“ das Festessen (hier ist das immer Reis!)  von den Frauen vorbereitet (also über Nacht). Da die Kirche eine Woche zuvor endlich Strom bekommen hat (nun gehört sie also zu den wenigen Häusern Taiacous, die Strom haben), wurde für die Festtage extra ein Fernseher ausgeliehen, damit alle während der „Nachtwache“ Unterhaltung haben (es lief dann irgendeine komische amerikanische Serie). Von überall her kamen dann Leute (v.a. Kinder) und haben fasziniert fern geschaut (ist hier ja nicht alltäglich). Am 25. war dann erst einmal Weihnachtsgottesdienst, wobei unsere Kinder vom Waisenhaus einen Teil der Weihnachtsgeschichte auf Naténi nachgespielt haben. Alles lief aber insgesamt etwas sehr spontan ab (auch unser Chor, alle geübten Lieder wurden irgendwie nicht gesungen, sondern andere und es gab dann noch eine „Tanz-Sing-Einlage“ mit Fernsehplayback (natürlich Kirchengospellieder), wobei die zusammengestellte Gruppe auch sehr spontan war. Danach gab es dann den Reis mit je einem Stück von dem Schwein, das wir in der Woche zuvor auf dem Schweinemarkt in Tanguiéta gekauft hatten (da war es allerdings noch lebendig und wurde dann auf dem Moto nach Taiacou gebracht) und noch so „Sirop“ zum Trinken.
Nachmittags haben wir dann noch Besuch vom CI/A-Lehrer bekommen, der seine ganze Familie mitgebracht hat. Später kamen auch die zwei „Radreparateure“ aus Tanguiéta vorbei (als sie sagten sie kämen, hatte ich das nicht so ernst genommen…). Zum Glück hatten wir noch viel Reis und unsere selbstgebackenen Weihnachtskekse übrig, denn an Festtagen MUSS es für jeden Besucher (egal ob gewollte oder ungewollte) etwas zum Essen da haben.
Abends gab es dann noch im Waisenhaus ein kleines „Extrafest“ (mit Nudeln, die auch eher etwas Besonderes sind und ein Stück Schwein, gibt ja das ganze Jahr über kein Fleisch!), mit Musik von meinem kleinen Radio. Das war dann also unser Weihnachtsfest hier in Taiacou.

Silvester über sind wir dann nach Tanguiéta zu Jule gefahren. Abends waren wir zum Essen eingeladen. Nebenher lief der Fernseher, wo wir also die Neujahrsreden vom beninschen und natürlich togolesischen (die Familie bei der wir waren kommt aus Togo) Präsidenten anhören durften, gleichzeitig lief dazu Musik (ja hier wird gern alles am Besten gleichzeitig an geschalten). Allerdings mussten wir erst einmal auf 1 Uhr warten, da in Togo ja die Originalzeit ist (wenn auf der ganzen Welt die Uhren stehen bleiben, holt man sich dort wieder die Zeit!) und die eben eine Stunde hinter Benin liegt. Es wurde dann mit „Wein aus dem Tetrapack“ angestoßen und irgendwo haben sogar welche „Böller“ losgelassen!
Die richtigen Festtage fingen dann aber erst am 1. Januar an und gingen bis einschließlich 3. Januar.
Wir waren noch einmal wo anderes eingeladen (wobei es immer Reis und Nudeln gab!) und generell sind alle zu allen möglichen Bekannten um „Bonne Année“  zu wünschen. Dabei hat man  immer Essen hingestellt bekommen und auch wir haben Essen von unseren Nachbarn (der Direktor- und CM1-Lehrer- Familie) vorbei gebracht bekommen. Das war ganz gut, da auch wir Besuch bekamen und so auch etwas anbieten konnten…Generell ist das hier Anfang Januar echt schön, da sich jeder auf der Straße (egal ob bekannt oder unbekannt) freudig „Bonne Année“ zu ruft. So gingen also auch die vielen Festtage  schön zu Ende. Wobei sie dieses Jahr von einem echt starken Harmatanwind begleitet waren (so stark, dass man manchmal nicht einmal zu zweit die Tür wieder zu bekommen hat und man selber auch Schwierigkeiten hatte, gegen den Wind anzukämpfen) und es so v. a. nachts echt kalt war!

Die Weihnachtsferien gingen dann noch bis zum 4. und am 5. fing dann die Schule wieder an. Während den Ferien waren fast alle Kinder bei ihren Verwandten zu Besuch. Katrin und ich sind einmal mit zwei Kids zu den Bergen gelaufen und haben allerlei Früchte von verschiedensten Büschen gesammelt (irgendwie kann man hier fast alles essen). Wir wurden von unseren drei Hunden begleitet (Mama-, Papa-, Kindhund), wobei uns Mamahund einen schon etwas größeren Vogel erjagt hat (eins der Kinder hat ihn gleich gerupft und abends wurde der Vogel wahrscheinlich gegessen). Einmal haben wir auch noch Besuch von den Freiwilligen aus dem Süden bekommen. Erst haben wir ihnen noch Tanguiéta gezeigt und am nächsten Tag auch Taiacou, wobei sie nicht so viel Zeit hatten und es so eher ein kürzerer Besuch war. Ansonsten haben wir während den Ferien nicht mehr viel gemacht.

Mit Schulbeginn fingen auch wieder unsere „Etudesstunden“ mit den Kindern im Waisenhaus an. Zusätzlich durften dann wieder alle möglichen Einkäufe organisieren, da langsam alle Vorräte zu Ende gingen und generell der Reis und Mais zurzeit noch billiger ist. Also durften schauen wie viel wir noch an Mais zusätzlich zu unseren 12 Säcken (die wir geerntet hatten) brauchen, damit es das ganze Jahr reicht, das Gleiche für den Reis. Das ist alles gar nicht so einfach zu organisieren (v.a. auch mit dem Transport), wobei uns ja wenigstens der „Vieux“ (Vater von dem Waisenhausgründer) und der „Vizepräsident“ vom Waisenhaus geholfen haben.

Am 10. Januar war dann auch schon wieder das nächste Fest, das „Voodoofest“ bzw. wird es hier das „Fest der Schlangen“ genannt (das wird hier in Taiacou mehr gefeiert als in Tanguiéta, da es hier noch viel mehr den Glauben an „Fetische“, eine Art Vermittler zwischen den Geistern oder Ahnen mit den „Lebenden“, gibt. Diese „Fetische“ können z.B. in Bäumen sein, wie beispielsweise es einen keine 200m von unserem Haus entfernt, gibt.). Jedenfalls kamen viele Leute von überall her. Morgens haben die „Natemba-Frauen“ auf dem Markt getanzt (wir waren leider nicht da, da es so stürmisch war) und nachmittags sind viele auf den Markt (da auch Markttag war) bzw. wurde vor dem Markt in Massen Tchouk (dieses traditionelle Hirsebier) verkauft. Natürlich lief auch Musik dazu und außerdem fand noch auf dem Collègesportplatz ein Fußballspiel zwischen Tanguiéta und Taiacou statt (was wir uns mit ein paar Kids auch angeschaut haben).

Leider hat Jule am gleichen Wochenende Fieber bekommen, sodass wir schon etwas früher zu ihr nach Tanguiéta sind. Da es am Montag immer noch da war (trotz Malariamedikamenten) sind wir ins Militärkrankenhaus gegangen (was nicht weit weg ist, man gleich dran kommt, die vom Militär dort arbeiten ganz kompetent und sehr nett sind). Es wurde noch einmal ein Malaria-, sowie Typhustest gemacht, wobei beides negativ war und Medikamente verschrieben. Wir sind auch wieder heim. Als wir am nächsten Tag wieder nach Taiacou wollten, fing das Fieber wieder an. Also sind wir wieder ins Krankenhaus und Jule hat gleich mehrere Infusionen bekommen. Dieses Mal mussten wir auch über Nacht beleiben und da es hier ja kein Essen in den Krankenhäusern gibt, sind Katrin und ich abwechselnd wieder zum Haus, um zu kochen oder Sachen zu holen. Am nächsten Tag wurde Jule wieder entlassen, die Woche über war sie allerdings noch schlapp und wir sind also die Woche da geblieben.

Als wir dann endlich wieder nach Taiacou sind, waren die Kids schon am Vorbereiten der „devoirs“ (danach werden dann die Halbjahreszeugnisse gemacht, zählen also schon viel). Diese fingen in der Woche darauf an. Mittlerweile gibt es nun in der Grundschule Lehrer für fast alle Klassen (Eltern hatten sich zusammengesetzt und beschlossen selbst nach Lehrern zu schauen, wobei dann jedes Kind 500F zahlen muss, um den Gehalt für die Lehrer bezahlen zu können, da der Staat von sich aus dieses Jahr keine Lehrer mehr bereit stellt). So können nun wieder die Kids der CE1 in die Schule (ihr Lehrer wurde einfach als Direktor an eine andere Schule gesetzt) und auch unser „Gastbruder“ kann jetzt endlich in die Schule und mit der CI anfangen!

Soweit läuft hier also alles wieder etwas geordneter (außer eben, dass wir eigentlich auf uns allein gestellt sind und eigentlich alles organisieren bzw. organisieren sollen). Die Ignames-Ernte ist nun auch schon vorbei, wobei wir leider nicht dabei waren (das war in der Woche, als wir „Krankenwache“ gehalten haben). Allerdings fiel die Ernte auch nicht sehr groß aus.

Überall werden jetzt aber Massen an Ignames (teilweise über 50cm groß) und Papayas angeboten (und zwar für echt gute Preise). Langsam lässt auch der Wind nach (wobei es in Tanguiéta fast keinen mehr gibt, in Taiacou aber doch noch ganz schön windig ist) und es wird wärmer.

Mittlerweile sind unsere Mitbewohner, die Fledermäuse, ausgezogen, was ebenfalls ganz angenehm ist. 

Sobald ich montags in Tanguiéta bin und in der Schule vorbei schau, haben die Lehrer auch immer irgendetwas für mich zu tun (z.B. Hefte korrigieren und eigentlich habe ich fast alle Zeugnisse der Schule geschrieben…)….Außerdem ist nun unsere Mentorin (Ursula) auch wieder aus Deutschland zurück, was auch sehr schön ist.

Wie ihr seht, geht es mir hier in Taiacou echt gut (auch wenn man manchmal etwas Schwierigkeiten hat, sich für die „Etudesstunden“ aufzuraffen). Leider vergeht die Zeit hier viel, viel zu schnell (nächsten Monat ist schon das Zwischenseminar)…

Ich hoffe, dass es euch auch soweit gut geht und es nicht zu kalt ist J
Bis zum nächsten Monatsbrief (wann auch immer der kommt), macht’s gut!

Viele liebe Grüße aus Taiacou,

eure Laura

Sonntag, 21. Dezember 2014

Monatsbrief November



Monatsbrief November bis Mitte Dezember

An alle Interessierten!

Endlich komme ich Mal wieder dazu einen Monatsbrief zu schreiben. Man ist hier irgendwie ständig beschäftigt, bzw. wenn nicht, einfach nur müde. Da nun ja doch schon wieder einige Zeit (leider viel zu schnell) vergangen ist, ist natürlich auch einiges, hier in Taiacou (und Umgebung) passiert. Anfang des Monats November hatte erst einmal Jule Geburtstag den wir auch schön (mit Kuchen, Kindergeburtstagsspielen, Luftballons und Pfannkuchen) in Jules neuem Haus, gefeiert haben (was sehr lustig war).
Im Waisenhaus haben wir nun „Lernhefte“ eingeführt, in die wir immer neue Aufgaben schreiben, die dann auch unter der Zeit gemacht werden können. Alle sind dabei immer sehr fleißig und wollen immer noch mehr Aufgaben. Letztlich kamen die „devoirs“ (Klassenarbeiten) doch recht schnell und einige hatten doch noch Probleme in manchen Fächern (oft in Mathe und Englisch). So kam es dann, dass wir manchmal noch bis spät abends mit einigen Kids gelernt haben. Mal schauen, wie die devoirs ausfielen…
Ansonsten fing im November die richtige Erntezeit an. Erst die „vandzu“-Ernte (so etwas wie Bohnen) mit der Bohnenernte (da werden die getrockneten Bohnen geerntet) und schließlich auch die Maisernte. Da wir drei Maisfelder haben, dauert das doch seine Zeit, v.a. wenn man eben nur samstags ernten kann, weil unter der Zeit ja alle Kids in der Schule sind. Bei der Maisernte wird jeder einzelne Maiskolben abgepflückt und gleichzeitig die „Haut“ abgemacht. Später müssen dann noch alle Körner vom Maiskolben gelöst werden… da steckt also einige Arbeit dahinter, bis man mit den Maiskörnern dann zur Mühle gehen kann, um sich sein Maismehl mahlen zu lassen.
Leider gab es wieder erneute Probleme in der „Waisenhausführung“. Anscheinend wurde der Köchin verboten weiterhin fürs Waisenhaus zu kochen, ob es ihr wirklich verboten ist nicht sicher, jedenfalls kam sie nicht mehr. Also sind Katrin und ich zu ihr (zusammen mit Théophile, der älteste Junge im Waisenhaus, zur Übersetzung, da die Köchin nur Naténi spricht) und haben sie gebeten doch weiterhin fürs Waisenhaus zu kochen, womit sie dann auch einverstanden war. Auch anderen Personen (wie zum Beispiel dem Pastor) soll anscheinend ebenfalls verboten worden sein ins Waisenhaus zu kommen. Schließlich gab es also eine große Versammlung mit dem Comité und den betreffenden Personen, sowie dem CA (chef d’appartement, so was wie der Bürgermeister von Taiacou) und Ursula (unsere Mentorin) und uns. Dort wurden dann alle Probleme offen angesprochen (dabei kamen sehr viele Probleme „zu Tage“), wirklich geklärt aber noch nicht so ganz. Jedenfalls fühlen sich nun zwei Personen des Comités noch etwas mehr verantwortlich und helfen mit, alle Anschaffungen (v.a. jetzt für Weihnachten und zusätzliche Einkäufe wie Mais, Reis und Bohnen, da gerade der Preis niedrig ist) zu erledigen. Als Weihnachtsgeschenk bekommt jedes Kind etwas Neues zum Anziehen genäht. Den Stoff dafür haben wir zusammen mit unserer Gastmutter Pauline in Tanguiéta besorgt. Da kam dann doch einiges zusammen, für letztlich etwa 120m Stoff haben wir 120.000 F bezahlt (etwa knapp 200€). Für das Fest am 25.12. werden wir noch Reis kaufen und wahrscheinlich ein Schwein… Anfang Dezember haben wir auch einen Adventskalender für die Kids gebastelt. Jeder durfte einen Tag ziehen und dann an diesem sein Geschenk (etwas Süßes, sowie Stift und Erdnüsse) abholen. Zusätzlich wollen wir jedem Kind „sein“ Foto zu Weihnachten schenken, sowie einen Fußball. So laufen also die letzten Vorbereitungen für Weihnachten.
Im November fing nun auch der Chor von der Kirche in Taiacou, an. Wir sind zwar nicht viele (etwa 9), trotzdem macht es echt Spaß, v.a. wenn wir Lieder auf Naténi singen und dann zur Trommel tanzen dürfen (gar nicht so einfach, da in Taiacou auch anders, viel schneller, als in Tanguiéta, getanzt wird). Auch für den Chor wird es zu Weihnachten eine „Choruniform“ geben.
Da nun seit Ende November die „Harmatanzeit“ (stürmische Zeit) angefangen hat, sind fast alle erkältet (Husten, Schnupfen und Halsweh). Die Sonne ist ab und zu von dem aufgewirbelten Staub ganz verdeckt und auch so ist die Luft ganz „staubig“ (v.a. wenn man beim Laufen oder Radfahren von einem Moto oder Auto überholt wird, wirbelt der ganze Staub und Sand hoch und man sieht nichts mehr). Auch ich habe etwas Halsweh abbekommen, solange es aber nur das ist, ist es nicht weiter schlimm. Im November wurde nämlich die Nachricht verbreitet, dass im Tanguiéta Krankenhaus einige Personen mit „Lassa-Fieber“ eingeliefert wurden und ein Arzt, sowie 3 Personen seien daran schon gestorben! Das Lassa- Fieber sei auch die „Cousine“ von Ebola, es gibt aber Medikamente dagegen. Jedenfalls wurden in Cobly (Stadt hinter Taiacou) zwei collèges zur Vorsorge geschlossen. Mittlerweile hört man aber nichts mehr von neuen Fällen und auch sonst nichts…
Zurzeit ist wieder alles kahl und braun, bzw. abgebrannt (einmal durften wir auf dem Weg nach Tanguiéta mitten durch einen „Feuerweg“ fahren, da rechts und links vom Weg abgebrannt wurde, nicht sehr angenehm, v. a. wenn das Feuer sehr hoch ist!) und die Papayazeit hat nun langsam begonnen (lecker!).
Mitte Dezember habe ich nun auch eine Austauschwoche mit Jule gemacht. Sie ist für mich mit Katrin nach Taiacou und ich bin in Tanguiéta geblieben. Diese Woche habe ich also mal wieder in der Schule verbracht und so bei den évaluationen (Klassenarbeiten) helfen dürfen. Da ein Lehrer öfters weg musste, durfte ich mit seiner Klasse (die CP) erst Wiederholung machen und dann auch bei der mündlichen Abfrage einen Teil übernehmen. Allerdings ist das weiterhin nicht sehr einfach die ganzen Kids alleine unter Kontrolle zu halten (wenn sie malen dürfen, geht es ganz gut), v.a. da dieses Jahr die Klassen noch größer sind als letztes (sogar die schon aufgeteilten Klassen, sind wieder echt groß!). In fast allen Klassen sind es über 70 Kinder. Deshalb werden zurzeit schon vier neue Klassenzimmer gebaut (sodass auch die Klassen CE1 bis CM2 aufgeteilt werden können). Eigentlich sollen sie bis Januar fertig sein, was ich aber bezweifele! Am 19.12. war dann der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien und alle Kinder haben 5 Bonbons bekommen!
Da nun endlich der Plan, eine neue Kirche auf dem Gelände zu bauen, umgesetzt wird, sieht alles nun sehr wüst aus, da alle Bäume (außer die Mangobäume) dafür gefällt werden mussten. So wird das ganze Gelände langsam etwas voll…
Da Jule ja auch Matheunterricht mit den Mädchen aus dem Atelier macht, habe ich auch diesen übernommen und so immer von 12 Uhr bis 13 Uhr „unterrichtet“. Jule hat die verschiedenen Gruppen, je nach Können aufgeteilt. Da manche bis zu einer bestimmten Stufe in der Schule waren, können diese z.B. schon auch mit größeren Zahlen plus, minus, sowie manchmal auch gemalt und geteilt rechnen. Andere wiederum waren nicht einen Tag in der Schule und da muss man erst einmal mit dem Zahlenschreiben anfangen. Mit manchen hat Jule auch schon das Lesen und Buchstaben schreiben angefangen. Die Mädchen sind jedenfalls (zumindest fast alle) sehr motiviert dabei!
Ansonsten kann ich nur sagen, dass hier zwar nicht wirklich „Weihnachtsstimmung“ (zumindest nicht unserem Sinn, dazu ist es viel zu warm und sandig) aufkommt, aber alle freuen sich auf die bevorstehenden Feste und es wird fleißig vorbereitet. So kommt dann zumindest eine „Feststimmung“ auf! Nächste Woche wollen wir auch noch Plätzchen für alle backen und dann steht ja auch schon Weihnachten vor der Tür!

Dann bleibt mir fürs Erste nur noch, euch allen frohe Weihnachten zu wünschen, sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr! Feiert schön und genießt die Festtage!

Viele liebe Grüße aus Taiacou,

eure Laura

Montag, 1. Dezember 2014

Monatsbrief Oktober



Monatsbrief Oktober

An alle Interessierte und Mitleser!

Schon wieder ist ein Monat vergangen und es hat sich seitdem einiges hier getan. Leider hab ich gleich anfangs des Monats Malaria bekommen, da ich dieses Mal aber gleich Medikamente dagegen genommen habe, waren es eigentlich „nur“ zwei Tage mit Fieber- und Gliederschmerzen im Bett.
Endlich hat nun die Schule am 16.10. angefangen, sodass langsam alles seinen „normalen Ablauf“ nimmt. Leider bekommen hier die Schüler (zumindest im CEG, also collège) nicht einfach ihren Stundenplan gesagt, sondern erfahren erst nach und nach, wann sie wie Unterricht haben (bzw. für manche Fächer gibt es bis jetzt immer noch keinen Lehrer). So ist es für uns auch etwas schwierig einen schönen „Arbeitsplan“ (wann wir also mit wem lernen) zu erstellen, da sich immer doch noch etwas ändert. Bis jetzt haben wir also einfach mit denen angefangen zu lernen, die schon Aufgaben hatten bzw. Schwierigkeiten mit etwas (v. a. Mathe) haben. Dabei merkt man erst, dass manche trotz einigen Jahren Schule immer noch nicht lesen oder die Zahlen bis 20 können! So haben wir dann also einiges zu tun.
Im Waisenhaus konnten wir zu Schulbeginn nun auch die ganzen Schulmaterialien (die alle z.B. vom Patenschaftengeld bezahlt werden) an alle Kinder verteilen. Da kam doch einiges an Heften, Schreibmaterialien u. ä. zusammen. Eine kleine Vorstellung von den Preisen hier (dabei gilt 1€ = 656 CFA, alle Preise sind nicht immer überall gleich):
- normale Hefte (Paket von 5 Heften): 900 CFA
- große Hefte (Paket von 5 Heften): 3000 CFA
- Stiftepackung: 3500 CFA
- Packung mit Zirkel, Lineal: 2200 CFA
- Kreidepackung: 1000 CFA
Zusätzlich hat jeder Schüler noch eine Kakischuluniform. Schulgeld muss dann v. a. für die Klassen gezahlt werden, in denen Prüfungen absolviert werden (also in CM2, die Grundschulabschlussklasse und 3ème), ca. je über 10 000CFA. Dazu kommen die ständig anfallenden Kopierkosten (1 Seite Kopie: 15 CFA), sowie auch Wassergeld für die Pumpe (1 Bidon mit 25l: 15 CFA) und andere Kosten. All das müssen wir im „Auge behalten“, da man sonst echt leicht den Überblick verlieren kann.
Mit dem Beginn unserer Arbeit sieht man erst, wie viele Schwierigkeiten auf einen zu kommen. Beispielsweise ist eigentlich ein Comité für das Waisenhaus bzw. die Entscheidungen, die im Waisenhaus getroffen werden müssen, zuständig, richtig handeln (d. h. die Sachen einkaufen und schauen ob etwas z. B. repariert werden muss) tut allerdings eher nur Einer. Das läuft aber auch nicht immer so, wie es sollte. Zusätzliche Schwierigkeiten sind, dass sich das Comité und die einzelne Person nicht sehr gut verstehen bzw. nicht wirklich zusammen arbeiten können. So sind wir sehr gespannt wie sich das alles noch so entwickelt, da das auf Dauer nicht so weiter laufen kann. Ja, all das macht unsere Arbeit nicht gerade einfacher. Wie schon gesagt, sind wir für die ganze Organisation im Waisenhaus mit verantwortlich, d. h. wenn den Kindern etwas fehlt, kommen sie auf uns zu und wir schauen, dass es irgendwie besorgt wird. Auch für die „Medikamentenversorgung“ der Kinder sind wir irgendwie zuständig. Hat jemand eine Erkältung oder auch etwas mehr, kommt er zu uns und wir durchsuchen unsere Medikamentensets nach dem Passenden.
Dadurch, dass immer alle zu jeder Zeit zu uns kommen können und unser Haus dann auch zur Hälfte „Allgemeinbesitz“ ist, ist es für uns etwas schwierig „freie, eigene“ Zeit einzuräumen. Das können wir dann wirklich nur an unseren Wochenenden, die wir dann in Tanguiéta bei Jule (die jetzt in einem neuen Haus wohnt, das nun zentral in Tanguiéta, aber auf dem gleichen Hof, wie das neue Haus vom Direktor, steht) verbringen. Allerdings sind die Kinder jedes Mal aufs Neue traurig, wenn wir nach Tanguiéta gehen und meinen, wir wären viel zu oft dort…
Jedenfalls haben wir so, sowohl „Land-“, als auch „Stadtleben“, was beides seine Vor- und Nachteile haben kann (aber irgendwie ist ja schön, hier beides zu haben).
In Tanguiéta hat sich ebenfalls einiges geändert. Da die Mitfreiwillige von Jule abgebrochen hat, haben wir einige Tage in Tanguiéta länger verbracht (um uns auch zu verabschieden und so). Außerdem musste Jule ja (wie schon gesagt) das Haus wechseln, was aber nun eindeutig vorteilhafter zum Wohnen ist (v. a. wenn man allein ist).
Als wir nach den Tagen wieder nach Taiacou kamen, hatten fast alle „Apollo“ (eine Augenkrankheit, bei der die Augen rot werden und verkleben/vereitern). Da das SEHR ansteckend ist, sind auch wir nicht verschont geblieben. Zum Glück hatten wir schon Augentropfen in der Apotheke gekauft gehabt und konnten alle damit versorgen.
Außerdem hatte Katrin das Pech in ihrem Rucksack einen Skorpion unwissend zu beherbergen und beim Hineinlangen wurde sie also schön in die Hand gestochen. Tödlich sind hier die Skorpionstiche zwar nicht, dafür sehr, sehr schmerzhaft (und kann auch bis zu zwei Tagen anhalten!). Nur durch kleine „Stromstöße“ (Ursula hat so ein Gerät, das genau für solche Bisse, Stiche eingesetzt wird zur Schmerzneutralisation), kann das sehr viel erträglicher gemacht werden und die „Schmerzenszeit“ sehr verkürzt werden.
Zurzeit gibt es ebenfalls sehr viele (auch echt giftige) Schlangen. Als unser Haus etwas ausgebessert wurde (damit es länger hält und nicht weiter „verschimmelt“, die Fledermäuse sind trotzdem noch da), haben die Handwerker anscheinend 5 Schlangen umgebracht, die hinterm Haus waren. Jule hat bei ihrem Umzug ebenfalls eine im Haus gefunden, deren Spucke anscheinend sogar sehr giftig sein soll (eine vorbei kommende Frau hat sie nach mehreren Versuchen schließlich erlegt!).
Diesen Monat bekamen wir eine große Spende an Essen (wie Gari, geriebener Maniok, Nudeln,…), sowie Seife u. ä. vom Familienministerium. Um alles verstauen zu können, musste erst einmal der „Stauraum“ geleert werden, wobei wir auch die noch gelagerten Schulsachen, sowie Schuhe nach noch „Gebräuchlichkeit“ untersucht haben. Dabei konnten wir fast alles weg schmeißen, da die Mäuse alles angefressen haben (auch alle Schuhe!).

Auch mit der Ernte haben wir schon langsam angefangen. Die Bohnen, die oft unterm Mais angebaut werden, haben wir nun alle geerntet. Diese sind dann schon „getrocknet“ und werden nach der Ernte weiter zu „vollständigen Trocknung“ (und so Haltbarmachung) im Hof ausgelegt. Geerntet haben wir sowohl vor unserem Haus, als auch auf dem Feld, das 1 Stunde Fußmarsch entfernt ist. Demnächst fängt dann die Mais-, sowie Vandzu-, Erdnuss-, Hirse- und Reisernte an, bevor wieder alles abgebrannt wird. Allerdings wird teilweise jetzt schon abgebrannt, wobei der eine oder andere tatsächlich um sein Feld bangen muss, da alles (auch auf den Feldern) nun sehr trocken ist. Das Ende der Regenzeit ist also erreicht und bald fängt nun langsam die Zeit des „Harmatan“ (der starke Wind) an. Nachts ist es dann immer angenehm (zum Schlafen) kalt.

Da ein paar Tafeln in „meiner alten Schule“ in Tanguiéta schon recht angeschlagen waren (der Lack ist teilweise abgeblättert und es gibt Löcher in der Tafel), hatte ich Tafellack (mit Streichutensilien) mitgenommen. Die kamen dann anfangs des Schuljahres in Einsatz, als wir drei Freiwilligen zusammen mit zwei Lehrern die Tafeln ausgebessert und gestrichen haben. Nun kann wieder gut auf den Tafeln geschrieben werden!
Wie ihr seht, ist diesen Monat wirklich so einiges passiert (was es auch nicht immer einfacher gemacht hat, sich hier, in Taiacou nun, einzuleben, da wir doch öfters in Tanguiéta Zeit verbringen mussten, um alles zu klären). Trotz allem ist es hier weiterhin sehr schön und man hat doch das Gefühl, hier wirklich etwas Sinnvolles tun zu können.
Ich hoffe, dass es euch auch soweit gut (trotz der vielleicht etwas kühleren Luft, als bei uns hier). Bis zum nächsten Mal, macht’s gut!

Viele Grüße aus Taiacou!

Eure Laura

Montag, 3. November 2014

Monatsbrief September 2014

Monatsbrief September

An euch lieben Alle zuhause und alle Interessierte!

Seit Anfang September bin ich nun endlich wieder in Bénin. Am Flughafen, nach einem langen Flug über Istanbul, wurden wir (d.h. 12 Freiwillige, von denen 6 in den Norden gehen) vom Pastor aus Porto Novo, abgeholt. Die ersten Tage hieß es dann das Visum in Cotonou zu verlängern, was durch die guten Kontakte des Pastors sehr schnell bzw. überhaupt erst ging. So konnten wir (die in den Norden durften) schon Ende der Woche die 12-stündige Busfahrt durch ganz Bénin (sogar ohne Zwischenfälle) antreten. Endlich konnte ich also meine „alte Heimat“ und die „dort Zurückgelassenen“ wieder sehen. Ich habe mich einfach nur unbeschreiblich riesig gefreut Tanguiéta (und alle dazu gehörigen) wieder anzutreffen (die Freude war aber auf beiden Seiten ;-)).
Am gleichen Abend noch wurden meine neue Mitfreiwillige Katrin und ich zu unserer neuen Heimat „Taiacou“ (10km von Tanguiéta entferntes Dorf) gebracht (sogar mit einem kleinem, gemieteten Bus). So, und da wohnen wir jetzt! In einem kleinen, gemütlichen Haus für uns, das neben dem unserer Gastfamilie steht, nicht weit weg von der Dorfmitte (dem Markt u. Schulen), umgeben von einem großen Maisfeld (das Klohäuschen steht mitten im Feld). Mit Blick auf die Berge (das Atacoragebirge) und mehrere Baobabbäume rings umher und ab und zu Häuser, die frei zwischen den Feldern stehen und über Pfade zu erreichen sind. Man merkt dann doch noch einmal den Unterschied zwischen Tanguiéta (also Kleinstadt) und Taiacou (größeres Dorf), schon allein durch die oft noch traditionell gebauten Hütten (aus roter Lehmerde und rund!). Landschaftlich ist es hier auch noch schöner als in Tanguiéta. Überall sind Felder (wie Mais, Baumwolle, Hirse, Bohnen, Soja, Erdnüsse, Vandzu, Ignames, Süßkartoffeln) und es gibt viele Palmen, sowie ein „barage“ (eine Art See).

Unsere Gastfamilie besteht aus der Frau des eigentlichen Waisenhausleiters, Pauline und ihren 3 Kindern im Alter von 1 Jahr, 2 Jahre und 5 Jahre. Ihr Mann Ignace ist schon seit September 2013 sehr schwer erkrankt ist seitdem halbseitig gelähmt. Mittlerweile ist sein Bruder Ephraim eigentlich Verantwortlicher des Waisenhauses (wobei er nicht von allen anerkannt wird, was die Situation nicht vereinfacht).
Gekocht wird für uns hier immer, sodass wir schön die afrikanische Küche „erleben“.

Im Waisenhaus, das ca. 5min Fußweg von uns entfernt liegt, leben während der Schulzeit etwa 37 Kinder im Alter zwischen 6 Jahre bis ca. 20 Jahre. Über Patenschaften wird ihnen sowohl eine Schulausbildung, als auch die Grundversorgung (Essen, Kleidung, Dach überm Kopf) sichergestellt. Oft sind zwar noch Verwandte da, diese können aber meist gerade so ihre eigenen Kinder versorgen oder zur Schule schicken.
Wir als Freiwillige sind nun (aufgrund der Krankheit von Ignace) für die „Verwaltung“ des Waisenhauses mitverantwortlich. Zusätzlich helfen wir den Kindern mit der Schule (letztes Jahr z.B. haben fast alle Kinder, durch die zusätzlichen Übungen, die jeweilige Klasse bestanden, was hier nicht selbstverständlich ist!) bzw. spielen mit ihnen und helfen auch bei den Feldarbeiten mit (das Waisenhaus besitzt etwa 5 Felder).

Da die Schule dieses Jahr erst am 16.10. anfängt, waren bisher nur ein paar Kinder da. Diese waren aber fast andauernd bei uns, was schön, aber auch ganz schön anstrengend ist. So haben wir auch noch nicht unsere „eigentlichen“ Aufgaben anfangen können, dafür aber schon vieles in Taiacou entdecken können. Wir sind schon im „Barage“ (Art See mit Abfluss) schwimmen gewesen, haben schon öfters Wasser geholt (unser Wasser holen wir oder die Kinder von einer Pumpe, ca. 5min Fußweg, mit einem 25l-Kanister, der natürlich auf dem Kopf getragen wird), sowie den Markt von Taiacou und Cobly (eine kleine Stadt, die ca. 25km von uns entfernt ist) entdeckt. Dort haben wir schon einmal zusammen mit Ephraim Schulhefte gekauft, die dort günstiger sind. Der Rückweg war etwas spannend, da wir zu dritt auf dem Moto waren und alle Einkäufe dabei hatten. Außerdem haben wir auch schon beim Düngen auf dem Maisfeld mitgeholfen (einer läuft mit Stock voraus, um die Löcher neben die Maispflanzen zu machen, die anderen mit dem Dünger hinterher, von dem je eine handvoll in das Loch getan wird, welches man gleichzeitig mit dem Fuß wieder verschließt).
Ansonsten haben wir ja auch eine Woche in Tanguiéta beim Einführungsseminar verbracht. Dazu waren wir 6 Freiwillige aus dem Norden in der Schule in Tanguiéta. Da das Programm dieses Jahr fast nur von „Afrikanern“ (unserem Pastor, Direktor von Natitingou) geleitet wurde, war es etwas lockerer gestaltet. So haben wir u.a. einen Ausflug nach Tanoungou zu den Wasserfällen (die jetzt viermal so groß sind, wie bei meinem letzten Besuch) gemacht und hatten sogar eine Audienz beim König der Natemba in Taiacou. Alle wurden auch gleich schön in die afrikanische Küche eingeführt…
Nach der Woche haben wir (Katrin und ich) uns gleich aufgemacht und uns zwei Räder zugelegt, sodass wir auch ohne Moto mobil sind und z.B. nach Tanguiéta können. Zum Glück hatten wir dazu ein paar Bekannte mitgenommen, da hier der Radkauf etwas anders abläuft („Ich hätte gerne diesen Radsattel mit dem von dem einen Rad ausgetauscht und der Gepäckträger noch mit dem von dem anderen Rad gewechselt.“).
Letztlich sind wir nun halbwegs in Taiacou angekommen und leben zurzeit noch mit einigen sehr umtriebigen Fledermäusen unter einem Dach.
Die Regenzeit geht schon langsam ihrem Ende zu (was eigentlich sehr schlecht ist, da sie dieses Jahr erst Mitte August anfing und so alle um ihre Felder bangen).
Sobald dann auch die Ferien zu Ende sind, wird sich hier nochmal einiges ändern (alle Kinder werden wieder da sein und unsere „Lernzeit“ mit ihnen beginnen).
Bis dahin versuchen wir schon etwas Naténi (die Sprache Taiacous) zu lernen.

Viele Grüße an euch alle aus Taiacou,



schickt euch Laura

Monatsbrief September 2014

Monatsbrief September

An euch lieben Alle zuhause und alle Interessierte!

Seit Anfang September bin ich nun endlich wieder in Bénin. Am Flughafen, nach einem langen Flug über Istanbul, wurden wir (d.h. 12 Freiwillige, von denen 6 in den Norden gehen) vom Pastor aus Porto Novo, abgeholt. Die ersten Tage hieß es dann das Visum in Cotonou zu verlängern, was durch die guten Kontakte des Pastors sehr schnell bzw. überhaupt erst ging. So konnten wir (die in den Norden durften) schon Ende der Woche die 12-stündige Busfahrt durch ganz Bénin (sogar ohne Zwischenfälle) antreten. Endlich konnte ich also meine „alte Heimat“ und die „dort Zurückgelassenen“ wieder sehen. Ich habe mich einfach nur unbeschreiblich riesig gefreut Tanguiéta (und alle dazu gehörigen) wieder anzutreffen (die Freude war aber auf beiden Seiten ;-)).
Am gleichen Abend noch wurden meine neue Mitfreiwillige Katrin und ich zu unserer neuen Heimat „Taiacou“ (10km von Tanguiéta entferntes Dorf) gebracht (sogar mit einem kleinem, gemieteten Bus). So, und da wohnen wir jetzt! In einem kleinen, gemütlichen Haus für uns, das neben dem unserer Gastfamilie steht, nicht weit weg von der Dorfmitte (dem Markt u. Schulen), umgeben von einem großen Maisfeld (das Klohäuschen steht mitten im Feld). Mit Blick auf die Berge (das Atacoragebirge) und mehrere Baobabbäume rings umher und ab und zu Häuser, die frei zwischen den Feldern stehen und über Pfade zu erreichen sind. Man merkt dann doch noch einmal den Unterschied zwischen Tanguiéta (also Kleinstadt) und Taiacou (größeres Dorf), schon allein durch die oft noch traditionell gebauten Hütten (aus roter Lehmerde und rund!). Landschaftlich ist es hier auch noch schöner als in Tanguiéta. Überall sind Felder (wie Mais, Baumwolle, Hirse, Bohnen, Soja, Erdnüsse, Vandzu, Ignames, Süßkartoffeln) und es gibt viele Palmen, sowie ein „barage“ (eine Art See).

Unsere Gastfamilie besteht aus der Frau des eigentlichen Waisenhausleiters, Pauline und ihren 3 Kindern im Alter von 1 Jahr, 2 Jahre und 5 Jahre. Ihr Mann Ignace ist schon seit September 2013 sehr schwer erkrankt ist seitdem halbseitig gelähmt. Mittlerweile ist sein Bruder Ephraim eigentlich Verantwortlicher des Waisenhauses (wobei er nicht von allen anerkannt wird, was die Situation nicht vereinfacht).
Gekocht wird für uns hier immer, sodass wir schön die afrikanische Küche „erleben“.

Im Waisenhaus, das ca. 5min Fußweg von uns entfernt liegt, leben während der Schulzeit etwa 37 Kinder im Alter zwischen 6 Jahre bis ca. 20 Jahre. Über Patenschaften wird ihnen sowohl eine Schulausbildung, als auch die Grundversorgung (Essen, Kleidung, Dach überm Kopf) sichergestellt. Oft sind zwar noch Verwandte da, diese können aber meist gerade so ihre eigenen Kinder versorgen oder zur Schule schicken.
Wir als Freiwillige sind nun (aufgrund der Krankheit von Ignace) für die „Verwaltung“ des Waisenhauses mitverantwortlich. Zusätzlich helfen wir den Kindern mit der Schule (letztes Jahr z.B. haben fast alle Kinder, durch die zusätzlichen Übungen, die jeweilige Klasse bestanden, was hier nicht selbstverständlich ist!) bzw. spielen mit ihnen und helfen auch bei den Feldarbeiten mit (das Waisenhaus besitzt etwa 5 Felder).

Da die Schule dieses Jahr erst am 16.10. anfängt, waren bisher nur ein paar Kinder da. Diese waren aber fast andauernd bei uns, was schön, aber auch ganz schön anstrengend ist. So haben wir auch noch nicht unsere „eigentlichen“ Aufgaben anfangen können, dafür aber schon vieles in Taiacou entdecken können. Wir sind schon im „Barage“ (Art See mit Abfluss) schwimmen gewesen, haben schon öfters Wasser geholt (unser Wasser holen wir oder die Kinder von einer Pumpe, ca. 5min Fußweg, mit einem 25l-Kanister, der natürlich auf dem Kopf getragen wird), sowie den Markt von Taiacou und Cobly (eine kleine Stadt, die ca. 25km von uns entfernt ist) entdeckt. Dort haben wir schon einmal zusammen mit Ephraim Schulhefte gekauft, die dort günstiger sind. Der Rückweg war etwas spannend, da wir zu dritt auf dem Moto waren und alle Einkäufe dabei hatten. Außerdem haben wir auch schon beim Düngen auf dem Maisfeld mitgeholfen (einer läuft mit Stock voraus, um die Löcher neben die Maispflanzen zu machen, die anderen mit dem Dünger hinterher, von dem je eine handvoll in das Loch getan wird, welches man gleichzeitig mit dem Fuß wieder verschließt).
Ansonsten haben wir ja auch eine Woche in Tanguiéta beim Einführungsseminar verbracht. Dazu waren wir 6 Freiwillige aus dem Norden in der Schule in Tanguiéta. Da das Programm dieses Jahr fast nur von „Afrikanern“ (unserem Pastor, Direktor von Natitingou) geleitet wurde, war es etwas lockerer gestaltet. So haben wir u.a. einen Ausflug nach Tanoungou zu den Wasserfällen (die jetzt viermal so groß sind, wie bei meinem letzten Besuch) gemacht und hatten sogar eine Audienz beim König der Natemba in Taiacou. Alle wurden auch gleich schön in die afrikanische Küche eingeführt…
Nach der Woche haben wir (Katrin und ich) uns gleich aufgemacht und uns zwei Räder zugelegt, sodass wir auch ohne Moto mobil sind und z.B. nach Tanguiéta können. Zum Glück hatten wir dazu ein paar Bekannte mitgenommen, da hier der Radkauf etwas anders abläuft („Ich hätte gerne diesen Radsattel mit dem von dem einen Rad ausgetauscht und der Gepäckträger noch mit dem von dem anderen Rad gewechselt.“).
Letztlich sind wir nun halbwegs in Taiacou angekommen und leben zurzeit noch mit einigen sehr umtriebigen Fledermäusen unter einem Dach.
Die Regenzeit geht schon langsam ihrem Ende zu (was eigentlich sehr schlecht ist, da sie dieses Jahr erst Mitte August anfing und so alle um ihre Felder bangen).
Sobald dann auch die Ferien zu Ende sind, wird sich hier nochmal einiges ändern (alle Kinder werden wieder da sein und unsere „Lernzeit“ mit ihnen beginnen).
Bis dahin versuchen wir schon etwas Naténi (die Sprache Taiacous) zu lernen.

Viele Grüße an euch alle aus Taiacou,



schickt euch Laura

Freitag, 22. August 2014

Rückblick auf Juli und Ankunft in Deutschland

Da ich nun doch schon wieder seit 4. August in Deutschland bin, möchte ich noch einen kurzen Rückblick über meine "letzten" Wochen in Tanguiéta geben.
Da ich ja Ferien hatte, haben Jule und ich ein 1-wöchiges Praktikum in einem Weberatelier (das leitet die Frau des Direktors aus Natitingou) in Natitingou gemacht, um einfach einen Einblick zu bekommen. Wir bekamen sogar jeden einzelnen Schritt, der für die Fertigstellung eines Pagnes (Stoff) notwendig ist, gezeigt und durften es gleich selbst versuchen (natürlich an einem Webstuhl)! So haben wir bis Ende der Woche unseren eigenen Pagne fertig gewebt (etwa 7m Stoff), der jetzt zum Verkauf ausliegt!



Zusätzlich habe ich auch ein paar Mal auf Feldern (von einem Lehrer und vom Waisenhaus) mitarbeiten dürfen, was hier etwas anders ist, da alles von Hand gemacht wird. So haben wir erst die Felder vorbereiten müssen (mit der "coup-coup", eine Art Buschmesser, Büsche "abcoupen"), dann wurde umgepflügt (mit der "houe", eine Schaufel mit 40°-Winkel-Stiel) und schließlich konnte gesät werden (einer läuft voraus um die Löcher zu machen, die anderen mit den Maiskörnern hinterher). Allerdings war es dieses Jahr sehr problematisch mit der Feldbearbeitung, da die längst fällige Regensaison einfach nicht kommen wollte und so der Boden zu hart war! Letztlich konnte man nach kleineren Regen doch anfangen, allerdings mit deutiger Verspätung von etwa 1 Monat!






Zusätzlich durfte ich noch eine Woche nach Taiacou zu den beiden Freiwilligen, um auch einen Einblick ins Waisenhaus zu bekommen (dort werde ich ja dann nächstes Jahr, also ab September, sein). Auch das war sehr schön und die Kinder wollten mich schon gar nicht mehr gehen lassen. In den Ferien sind aber einiges weniger Kinder da, da viele zu Verwandten gehen.




Ansonsten durften wir noch bei der "Tschouk"-Herstellung mithelfen (das ist das traditionelle Hirsebier) und dann alle möglichen Mitbringsel zusammen tragen und in den Koffern verstauen. Natürlich mussten wir uns auch von allen verabschieden, wobei der Abschied nicht so schlimm ausfiel, da wir ja im September wieder kommen (zum Glück!)!




Wieder daheim musste ich erst einmal einen kleinen Kulturschock verkraften und mich dann wieder an alles hier (die vielen Autos, Straßen, die riesige Auswahl an Lebensmitteln und allem) gewöhnen. Aber schon bald geht es ja wieder zurück und bis dahin darf ich noch meine lieben Freunde, Familie und Bekannte sehen.

So ging das erste Jahr einfach rasend schnell vorbei und ich freu mich schon sehr auf das zweite! Ich werde weiterhin versuchen hier meine Erlebnisse aufzuschreiben!

Viele liebe Grüße (nun aus Deutschland),

Laura

Mittwoch, 6. August 2014

Monatsbrief Juni



Monatsbrief Juni

An alle Freunde, Verwandte, Bekannte und Interessierte!

Nun ist es ja wirklich nicht mehr lange bis zu meinem Heimaturlaub, aber davor werde ich euch noch ein bisschen von meinen „letzten“ Wochen hier berichten. Anfang des Monats fand die große Taufe (von  ca.40 Leuten) im Fluss von Biacou (Dorf hinter Tanguiéta) statt. Jule und ich sind mit dem Rad hin gefahren und als wir ankamen, stand auch schon eine größere Gruppe an dem einen Ufer (am anderen wurde gewaschen) und haben gesungen. Dann wurde ein „Täufling“ nach dem anderen ins Wasser (dort waren schon Pastor und ein anderer) gerufen. Jeder wurde einmal rückwärts ins Wasser „getunkt“ und durfte (pitschenass) wieder raus(da viele ja nicht schwimmen können und noch nie groß im Wasser waren, hatten einige schon etwas Angst davor). Für jeden wurde immer gesungen und nachdem alles vorbei war (mit Fotos), gings mit allen in unsere Schule, wo es dann Reis für alle gab. In dem Fluss, in dem getauft wurde, gibt es anscheinend weiter flussabwärts Kaimane (die hatten aber keine Lust zu der Taufe zu kommen …).
Ein paar Tage nach der Taufe war nachts ein so starkes Unwetter (mit starkem Sturm), dass bei einigen Häusern (auch ein Haus direkt neben der Schule war betroffen) das komplette Dach abgedeckt bzw. davon geflogen ist. Der ganze Schaden (der durch den Regen dann im Haus angerichtet wurde) musste also behoben werden und ein neues Dach her. Solange mussten die Bewohner wo anderes unterkommen. Bei wem das Wellblechdach also schon etwas älter ist (was häufiger der Fall ist) muss aufpassen, dass ihm das Dach beim nächsten Sturm nicht auch einfach davon fliegt…
In der Schule ging es jetzt im Juni alles zu Ende. Das collège hatte schon vor der Grundschule Ferien (die Privatschulen haben außerdem immer vor den öffentlichen Schulen Ferien und können auch selber entscheiden wann). So hatte ich meinen letzten Deutschunterricht Mitte Juni und habe noch ein paar Spiele (mit deutschen Wörtern o.ä.) mit den Schülern gemacht. Einige waren sogar ganz fleißig dabei neue Wörter heraus zu suchen. In der Grundschule waren die Lehrer diesen Monat etwas aufgebracht, da sie ihr Gehalt für Mai immer noch nicht bekommen hatten und so ihr Geld langsam knapp wurde. So haben sie beschlossen, solange zu streiken, bis ihr Geld kommt. Nach zwei Tagen Streik war es dann da und der Unterricht ging wieder weiter. Alles lief auf die letzte Evaluation zu, die auch nochmal mehr zählt als die anderen und so, wichtig für die Versetzung ist. Am 16. Juni fanden diese statt und dauerten drei Tage. Danach gab es keinen Unterricht mehr (die Schüler mussten trotzdem noch eine Woche immer kommen und haben sich mehr oder weniger selber beschäftigt), da alle Lehrer in ihrem Klassenzimmer (oder davor) alles korrigieren mussten. Auch ich dufte dabei helfen zu korrigieren (was manchmal nicht ganz einfach ist, vor allem wenn manche Schüler kaum schreiben können). Nach den Korrekturen ging es weiter mit Durchschnitten ausrechnen, in die Zeugnisse eintragen und den Gesamtschnitt (und somit die Versetzung) zu berechnen. Dabei durfte ich ebenfalls helfen, da das eine ganz schöne Arbeit  (vor allem wenn es viele Schüler in der Klasse gibt) ist und alle innerhalb einer Woche fertig werden mussten. Am 27. Juni war es dann soweit und die Schüler bekamen ihr Zeugnis (allerdings nur die, die alles Schulgeld bezahlt hatten). Davor bin ich noch mit einem Lehrer Hefte und Stifte kaufen gegangen, die dann am die fünf Besten pro Klasse verteilt wurden. Die zwei Besten bekamen je auch noch ein Mathe- und Französischbuch für das nächste Schuljahr! Für diese „Preisverleihung“ sind alle Schüler in der Kirche versammelt worden, es gab eine knappe Ansprache vom Direktor und Pastor und dann wurden die Preise verteilt. Danach sind wieder alle zurück in die Klassenzimmer (ich habe an alle Schüler und Lehrer Bonbons verteilt) und da die Zeit zu knapp war, wurden die Zeugnisse (und Hefte und alles) erst abends verteilt. Schließlich wurden alle Schüler in die Ferien entlassen. Am Montag danach mussten die Lehrer nochmal zum Klassenzimmeraufräumen kommen (dabei wurden einige Mäuse erschlagen).
Außerdem fand noch eine kleine „Lehrerabschlussfeier“ in einer „buvette“ statt. Dazu hatten alle jeden Monat einen bestimmten Beitrag in die „Kasse“ eingezahlt. So gab es für jeden ein ganzes Huhn (die wurden morgens extra in Taiacou gekauft und dann „vorbereitet“ und gekocht), Akassa (eine Art gesäuerter „Maismehlpudding“), Soße und Getränke. Leider hat alles in einer rießen Diskussion geendet, da die „Spielregeln“ für das Fest nicht richtig festgelegt waren und so mancher genau seinen eingezahlten Betrag haben wollte…
So ging also die ganze Schulzeit zu Ende und die Ferien begannen. Im Rückblick kann ich nur sagen, dass es eine ganz besondere und schöne (mit vielleicht ein paar unschönen Dingen dabei) Zeit war, die ich nicht missen möchte!
Noch während den letzten zwei Schulwochen begann ja die Fußball-WM. Dass man auch hier doch einiges mitbekommt, hätte ich erst gar nicht erwartet… Manch einer hat aber tatsächlich jedes (aber wirklich jedes) Spiel angeschaut (zumindest wenn kein Stromausfall war), da doch einige einen Fernseher besitzen und wenn sie nicht gerade daheim waren, können manche auch über das Handy fernsehen. Wir haben mehrere Spiele (v.a. die Deutschlandspiele) bei einem Lehrerfreund von „unseren“ Lehrern angeschaut, was immer ganz witzig war. Auf engstem Raum saßen meistens um die zehn Personen vor dem Fernseher (entweder auf den vier Stühlen oder eben Hocker, Tisch, Kanister, Boden). Wenn eine afrikanische Mannschaft gespielt hat, waren natürlich alle für diese. Ansonsten auch für Mannschaften, in denen , mehrere „Afrikaner“ mitgespielt haben oder auch für Deutschland. So haben auch wir hier die WM fleißig mitverfolgt (wobei es schon Mal vorkam, dass trotz vollem Mitfiebern am Ende des Spiels niemand wusste, wer eigentlich gespielt hat…).
Ansonsten haben wir diesen Monat einmal „Spätzle“ beim Pastor gekocht (überm Feuer). Das war allerdings nicht so ganz einfach, da wir für den ganzen Haushalt (und auch noch unter anderen „Bedingungen“) kochen sollten und uns in der Menge ein wenig verschätzt hatten. So waren am Ende doch noch einige hungrig. Trotzdem hat es Spaß gemacht, einmal Spätzle auf „afrikanische Kochweise“ zu machen.
Jetzt sind bei mir endlich auch alle Wunden verheilt (und auch noch keine neuen dazu gekommen), was wirklich Zeit war.
Außerdem durfte ich an Jule meine „Frisörkenntnisse“ anwenden, da sie gern ihre Haare wieder geschnitten haben wollte und unsere Mentorin (die sonst geschnitten hat) ja gerade nicht da ist. Letztlich sah es auch gar nicht so schlecht aus…
Sonst ist diesen Monat nicht mehr viel passiert. Der wirkliche Regen lässt noch etwas auf sich warten (was sehr ungewöhnlich ist), weshalb alle um ihre Felder bangen!
Bald ist es dann auch so weit und ich werde für ein paar Wochen nach Deutschland fliegen. Bis dahin genieße ich noch die letzten (Ferien-) Wochen.
Ich hoffe, euch geht es auch allen soweit gut! Bis wir uns dann sehen (die ich zumindest sehen werde), wünsche ich euch noch eine gute Zeit!

Viele liebe Grüße aus Tanguiéta,

Laura